Worte der Weisheit

- PHILOSOPHIE TO GO -

DIE TÄGLICHEN
“WORTE DER WEISHEIT”

Jeden Morgen verschickt Albert die “Worte der Weisheit” zu einem wöchentlich wechselndem Thema. Dabei intepretiert er jeweils ein philosophisches Zitat.
02.12.2022
Wille #5

Wer sein Heil in äußeren Vorgängen sucht, die seinem Willen entzogen sind, muss notwendig scheitern.

Das war die Auffassung des Stoikers Epiktet. Er sagt:

"Wenn daher der Mensch in jenen Dingen allein sein Heil sieht, die, von niemandem hemmbar, ganz in seiner Macht stehen, dann wird er frei, froh, glücklich; kein Schaden kann ihn treffen; er ist hochgemut, fromm, voll Dankbarkeit für alles gegen Gott; nie murrt er über etwas, was auch immer geschieht, und schilt auch niemanden. Wenn er dagegen sein Heil in den äußeren Vorgängen sieht, die seinem Willen entrückt sind, dann muss er notwendig gehindert und gehemmt, ja zum Sklaven jener werden, die über diese Dinge Macht haben, die er anstaunt und fürchtet (...).“

Epiktet macht eine wichtige Unterscheidung: Wir sollen das, was in unserer Macht liegt, d.h. unserem Willen unterliegt, von dem unterscheiden, was nicht in unserer Macht liegt. Um unser Glück nicht vom Zufall oder der Willkür anderer abhängig zu machen, sollten wir es nur auf etwas gründen, was in unserer Macht liegt. Das aber sind die Tugenden, die inneren Werte wie Aufrichtigkeit, Mitmenschlichkeit, Gelassenheit, Harmonie der Seelenkräfte, Selbsterkenntnis, Selbstvertrauen, Maß und Mitte, Authentizität, Mut etc. Wer dagegen meint, sein Glück in äußeren Dingen wie Besitz, Macht, Ansehen oder gesellschaftliche Stellung suchen zu müssen, der gerät in Abhängigkeiten, stößt auf leidvolle Widerstände, entwickelt Ängste und Sorgen und erlebt immer wieder Enttäuschungen und Ärgernisse.

______________________________

01.12.2022
Wille #4

Nur wer sein eigensüchtiges Wollen überwindet, wird sich selbst verwirklichen.

Das ist der Sinn folgender Stelle aus dem Tao Te King des chinesischen Philosophen Laotse:

„So stellt der Weise sein Selbst zurück
Und ist anderen voraus,
wahrt nicht sein Selbst,
und so bleibt es ihm bewahrt.
Denn nur ohne Eigensucht
Kann er vollenden das Eigene.“

Wer nur seinen eigensüchtigen Begierden folgt, der wird nie zum Grund seiner Seele gelangen und nie wahres Glück erfahren. Er übersieht, dass seine tiefsten Bedürfnisse auf ein gelingendes Mitsein mit anderen Menschen gerichtet sind, auf erfüllende Resonanzbeziehungen, auf gelebte Liebe, auf Gefühle von Geborgenheit, Vertrauen, Fürsorge, Sicherheit, Empathie, Güte und Wohlwollen, Wärme und Nähe in der Gemeinschaft mit anderen Menschen. Nur im Du finden und vollenden wir unser Ich. Die ersten vier Verse meinen: Wer anderen dient, entwickelt sein Selbst. Wer nicht verbissen sein Ego verteidigt und durchsetzen will, der stärkt sein Selbst. Das Weiche siegt immer, sagt Laotse an anderer Stelle, das Harte zerbricht.

______________________________

30.11.2022
Wille #3

Der, dessen Freude nur in ihm selbst liegt, dessen Wünsche nur in ihm selbst liegen, er hat seine Lektion gelernt.

Vivekananda, einer der ersten Botschafter indischer Philosophie im Westen, skizziert in einem Brief die sehr einflussreiche Philosophie des Vedanta (Advaita-Vedanta). Danach führe der auf Äußeres gerichtete Wille zu Leiden, denn die äußere Welt sei nur eine Illusion (‚Maya‘). Die wahre Wirklichkeit liege im Innern des Menschen. Diese, die identisch sei mit Gott (Atman), gelte es zu erkennen und zu verwirklichen. Nur dieser Weg führe zur Glückseligkeit, die ‚weltliche Freuden‘ weit überrage:

„Du sollst es wissen: Ich bin sehr glücklich. Nicht, dass ich einem nebelhaften Optimismus zuneige; nein, meine Kraft des Leidens nimmt zu. Erhoben bin ich über den Pesthauch der Freude und Sorge dieser Welt. Ihre Bedeutung schwindet dahin. Dies ist das Land der Träume. Was macht‘s, ob man frohlockt oder weint – es sind nur Träume, die früher oder später zerbrechen müssen – ... Ich erlange den Frieden, der alles Verstehen übersteigt – der weder Freude noch Sorge ist, sondern höher steht als beide. (...) »Der, dessen Freude nur in ihm selbst liegt, dessen Wünsche nur in ihm selbst liegen«, er hat seine Lektion gelernt. Dies ist die Lektion, die wir hier in Myriaden von Geburten und Himmeln und Höllen zu lernen haben: Nichts gibt es, nach dem wir suchen, fragen, das wir ersehnen können außer unserem eigenen Selbst. Das größte, was ich erlangen kann, ist mein Selbst. Ich bin frei – deshalb brauche ich niemand anders für meine Glückseligkeit. Allein in alle Ewigkeit – weil ich frei war, frei bin und auf immer bleiben werde. Das ist die Lehre des Vedanta. Schon lange predige ich diese Lehre, aber – o Freude - jetzt verwirkliche ich sie jeden Tag. (...) Ich bin der Eine ohne einen Zweiten.“

Den hier zum Ausdruck kommenden Grundgedanken finden wir in allen Weisheitslehren: Abwertung des Äußeren, in dem wir unser Glück vergeblich suchen, und Konzentration auf die Entwicklung und Kultivierung der inneren Werte. Auch wenn man die Auffassung von der Unwirklichkeit der Welt nicht teilt, kann dieser Gedanke helfen, heiterer, gelassener und glücklicher durchs Leben zu gehen.

______________________________

29.11.2022
Philosophische Matinee im Web am kommenden Sonntag, den 04. Dezember 2022, 10-12 Uhr

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

ich lade Sie herzlich ein, an der letzten philosophischen Matinee im Web in diesem Jahr teilzunehmen. Sie findet statt

am kommenden Sonntag, dem 04.12.2022, 10-12 Uhr.

Es geht um das Thema "Resonanz" und welche Bedeutung sie für ein gelingendes Leben hat. Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Zur Teilnahme benötigen Sie einen Computer, Tablet oder Smartphone sowie einen Internetzugang. Die Texte, die wir besprechen wollen, finden Sie im Anhang.

Die Einwahldaten lauten:

Zoom-Meeting beitreten
https://us02web.zoom.us/j/89922901001?pwd=RVJTUlpqemV2NXh4L3F2eDNzQ2NxUT09

Meeting-ID: 899 2290 1001
Kenncode: 168852

Sie brauchen sich nicht anzumelden. Sie können sich einfach zuschalten. Die maximale Teilnehmerzahl beträgt 25. Ist die Zahl erreicht, können weitere Interessenten nicht mehr zugelassen werden.

Eine Teilnahmegebühr fällt nicht an. Über eine Spende an den gemeinnützigen Verein "MASS UND MITTE - Schule für antike Lebensweisheit" freuen wir uns. Das Spendenkonto lautet:

MASS UND MITTE
Münchner Bank eG
IBAN: DE58 7019 0000 0002 5719 35
BIC: GENODEF1M01

Mit den besten Wünschen für die anstehenden Festtage in schwieriger Zeit!

Ihr

Albert Kitzler

29.11.2022
Wille #2

Der Wille des Weisen geht dahin, das Vernünftige und als richtig Erkannte durchzusetzen.

Das war die Auffassung der Stoiker, die uns Cicero mit folgendem Zitat überliefert hat:

„Denn von Natur erstreben Alle das, was gut zu sein scheint und meiden das Gegenteil. Sobald sich also das Bild von etwas zeigt, was gut zu sein scheint, treibt die Natur selbst dazu, es zu erstreben. Wenn dies mit Beständigkeit und Klugheit geschieht, so nennen die Stoiker diese Art von Streben bulesis (griechisch Wille, Begehren) und wir den Willen. Sie meinen, dass es diesen nur beim Weisen gebe und definieren ihn so: der Wille ist es, der etwas mit Vernunft begehrt.“

Der Wille war in der griechisch-römischen Tradition das Vollzugsorgan einer Entscheidung. Das Problem, ob es einen „freien Willen“ gebe, stellte sich daher nicht. Die Frage verschob sich auf die Erkenntnisfähigkeit. Wird die Entscheidung nach sorgfältiger Abwägung dessen getroffen, was einem auf Dauer guttut und weiterbringt, haben wir es mit einer weisen Entscheidung zu tun. Deshalb behauptete man, dass nur der Weise „frei“ sei. Alle anderen Entscheidungen führen in der Regel zu Leiden und schädigen einen selbst. Selten sind die Fälle, dass sich jemand vollständig auf seine Intuition verlassen kann. Die Anthropologie nennt den Menschen ein Mangelwesen, weil seine Instinkte und Intuitionen nicht mehr so funktionieren, wie sie sollten. Zugespitzt könnte man sagen, dass es in der Tier- und Pflanzenwelt mehr Weisheit zu geben scheint als unter den Menschen. Von daher rührt das Dogma der Stoiker, der Mensch solle „naturgemäß“ leben.

______________________________

28.11.2022
Wille #1

Wessen Wille keine Selbstsucht kennt, der hat ein gütiges Herz.

Im „Buch der Riten, Sitten und Gebräuche“, eine der bedeutendsten Weisheitsschriften der alten Chinesen, lesen wir:

„Wessen Worte sehr gewissenhaft sind und wessen Taten sehr ebenmäßig, wessen Wille keine Selbstsucht kennt und wem es bei seinem Wirken nicht auf das Viele ankommt, wer still ist und wenig seinesgleichen hat, wer stark ist und die Menschen beruhigt, von dem heißt es: Er hat eine gütiges Herz.
Wer, auch wenn die Verhältnisse wechseln, sie zu ordnen vermag, wer das Gute erkundet und sich darüber freuen kann, wer, wenn er im tiefsten Misserfolg ist, Erfolg zu erringen versteht, wer mit seiner Person einen festen Standpunkt einnimmt und ihn durchführen kann, von dem heißt es: Er hat eine weiträumigen Willen.“

Hier wird die Person eines Weisen mit all seinen Qualitäten beschrieben. „Ebenmäßige Taten“ sind solche, die gradlinig und in sich stimmig sind. Einen „weiträumigen Willen“ haben, der „keine Selbstsucht kennt“, meint eine Person, die nicht nur bestimmt wird von ihren Wünschen und Zielen, sondern Raum lässt für alles, was jenseits des eigenen Wollens geschieht und einem begegnet, für die das Leben als solches und die Integrität der eigenen Persönlichkeit und Werte das Wichtigste ist. Wer auf diese Weise das Innere pflegt und die Durchsetzung persönlicher Ziele hintanstellt, wird auch bei Misserfolgen im Äußeren für die Entwicklung seiner Persönlichkeit gewinnen und sich langfristig durchsetzen („im Misserfolg Erfolg erringen“).

______________________________

27.11.2022
Mark Aurel #7

Wie deutlich drängt sich mir die Erkenntnis auf, dass es keine Lebenslage gibt, die zum Philosophieren so geeignet wäre wie die, in der ich mich befinde!

Mark Aurel meint, dass die Philosophie in jedem Moment präsent sein sollte. Sie werde von größtem Nutzen sein, weil sie uns ständig daran erinnert, uns selbst, unseren Werten und wichtigsten Lebenszielen treu zu bleiben, weil sie uns vor fremd- und selbstschädigenden Gedanken, Vorstellungen, Worten und Taten bewahrt, weil sie uns wach hält für die Schönheiten und glücklichen Momente des Lebens, weil sie uns bescheiden, demütig und dankbar macht und uns Kraft und Trost in schweren Zeiten gibt. Wir sollten in uns einen Philosophen großziehen, nähren und pflegen. Einen besseren Begleiter durch das Leben gibt es nicht.

______________________________

26.11.2022
Mark Aurel #6

Wo Du mich auch hinstellst, ich werde mir selbst treu bleiben und das tun, was meiner Natur entspricht.

Das ist der Sinn folgender Worte des Mark Aurel. Er spricht zum ‚Weltenlenker‘, der mit dem personifizierten Schicksal gleichgesetzt werden kann:

„Heb mich auf und wirft mich, wohin du willst. Denn auch dort werde ich meinen Dämon heiter bewahren, das heißt zufrieden, wenn er in seinem Zustand und seiner Betätigung im Einklang mit seiner eigenen Natur ist.
Ist diese Sache es wirklich wert, dass ihretwegen meine Seele krank wird und von ihrem Wert verliert, weil sie erniedrigt und Sklavin der Sinnlichkeit wird, in die Fesseln [des Leibes] und in Angst und Schrecken gerät? Und was könntest du finden, das dieses Verhalten lohnt?“

Hier wird das Lebensideal der Stoiker beschrieben: die Unerschütterlichkeit des Weisen. Gleichgültig, was passiert, der Stoiker bleibt sich selbst treu, bewahrt innere Ruhe und Gelassenheit und wird kein künstliches, maßloses Leben führen. Er wird glücklich und zufrieden leben. Der „Dämon“ ist der „gute Geist“, der Charakter. Der zweite Teil des Zitats fragt rhetorisch, wozu Affekte wie Angst und Schrecken und der Verlust der inneren Unabhängigkeit durch Hingabe an sinnliche Begierden gut sein sollen. Von all dem werde die Seele krank.

______________________________

25.11.2022
Mark Aurel #5

Die Bestimmung des Menschen ist es gut zu sein und sich um die anderen Menschen zu kümmern.

Dies ist der Sinn der folgenden beiden Zitate von Mark Aurel:

„Was ist dein Beruf? ‚Gut zu sein.‘ Wie aber ist das anders möglich als aufgrund von Einsichten, von denen die einen die Natur des Weltganzen, die anderen die eigentümliche Bestimmung des Menschen betreffen?“
„Er (der Weise) denkt auch daran, dass alle vernünftigen Wesen miteinander verwandt sind und dass es gemäß der menschlichen Natur ist, sich um alle Menschen zu kümmern …“

Wer ‚gut‘ leben möchte, der muss als ein ‚guter Mensch‘ leben, d. h. menschlich, verständnisvoll, zugewandt, gütig, friedlich und milde. Dafür ist es wichtig, die Welt und das menschliche Seelenleben gut zu kennen. Wer vieles davon versteht, wird vieles richtig machen.

______________________________

24.11.2022
Mark Aurel #4

Wer aber der Vernunft in jeder Hinsicht folgt, der ist zugleich voll innerer Ruhe und Beweglichkeit, voll Heiterkeit und Ernst.

Wie das Zitat belegt, war Mark Aurel überzeugt davon, dass vernünftiges Denken, mithin die Philosophie, der beste Leitfaden für ein gelingendes Leben sei. Was uns unglücklich mache und die gute Laune und innere Ruhe raube, seien unbeherrschte Emotionen, die keine Rücksicht nehmen, weder auf andere noch auf die eigene Seelenverfassung und Persönlichkeit als Ganzes. Ungezügelte Emotionen und Affekte kennen in sich kein Maß, wollen immer mehr und verhindern eine Harmonie und friedliche Koexistenz der unterschiedlichen Seelenkräfte. Platon verglich die Vernunft mit dem Wagenlenker, der seine Pferde beherrschen müsse, um den Wagen, das Leben, dahin zu führen, wo er hinmöchte.

______________________________

23.11.2022
Neuer Podcast - Signierte Bücher

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

ab heute ist in unserem Philosophie-Podcast „Der Pudel und der Kern“ eine weitere Folge #30 zu hören. Thema ist dieses Mal "Fehler" - Warum sie unvermeidlich sind und wie wir damit umgehen sollten.

tl_files/bilder/Fehler.png

„Einen Fehler begehen, ist nicht schlimm. Bedenklich ist es, ihn zu wiederholen.“ (Konfuzius)

Den kostenfreien Podcast und die wichtigsten Informationen dazu findet Ihr auf der Website: www.pudel-kern.com

Ferner auf diversen Plattformen, u.a.:

https://open.spotify.com/episode/5AQ1orfLQzVzw4vvgO4C5d

https://podcasts.apple.com/us/podcast/30-fehler-warum-sie-unvermeidlich-sind-und-wie-wir/id1591918638?i=1000587202845

Wenn Euch der Podcast gefällt, empfehlt ihn bitte weiter. Über Anmerkungen und Rückfrage freuen wir uns.
__________________________________________

Signierte Bücher als Geschenk

Über die Schule MASS UND MITTE können alle meine Bücher handsigniert bestellt werden (E-Mail an: worte-der-weisheit@massundmitte.de). Die Versandkosten in Deutschland betragen 1,90 €, bei mehreren Büchern der entsprechende Paketpreis. Die Bestellmenge bei Sendungen nach Österreich und die Schweiz beträgt midestens 3 Bücher. Bitte beachten Sie erhöhte Versandkosten in diese Länder. Die Rechnung liegt der Sendung bei. Sie bezahlen nach Erhalt des Buches.


tl_files/bilder/Buecher 5 Cover.jpg

 

"Wie lebe ich ein gutes Leben? Philosophie für Praktiker", Tb 10,99 EUR

tl_files/bilder/13045-7_Kitzler_gutesLeben_mitRand.jpg

Leserstimmen:

„Ein Schatz voller Weisheiten, guter Gedanken und Ideen fürs Leben.“ (Lovelybooks)
„Mit das beste philosophische Buch, das ich gelesen habe.“ (Lovelybooks)
„Kenne niemanden, der die Dinge so gut zusammen fassen kann und dieses alte Weisheitsdenken auf die heutige Zeit überträgt.“ (Amazon)
___________________________

"Philosophie to go. Große Gedanken für kleine Pausen", Hardcover 12,- EUR

tl_files/bilder/Philosophie to Go_Cover.jpg

Leserstimmen:

„Eine geistige Rückzugsoase, um innere Klarheit und Ruhe inmitten des Alltagsgetümmels zu finden. Ein höchst lesenswertes Buch.“ (Wiener Zeitung)
"Diese wirklich hervorragende Auswahl und noch bessere Erklärung der einzelnen Sätze ist ein wirklicher Schatz der Philosophie, der hinter die Dinge blicken lässt und in gewisser Weise bewegte, stille Meditationen enthält." (Amazon) 
„Eine Sammlung wunderschöner Zitate, die einem helfen können, den Alltag zu meistern.“ (Lovelybooks)
_________

"Denken heilt! Philosophie für ein gesundes Leben",
Hardcover Sonderpreis: 12,- €

tl_files/bilder/Cover mit Rand.jpg

Leserstimmen:

"Ein Buch, das mich bestimmt mein Leben lang immer wieder begleiten wird! (Lovelybooks)
Absolute Leseempfehlung!" (Lovelybooks)
"Denken heilt!" stellt für mich ein sehr erfreuliches Wiedersehen mit vielen hochinteressanten Philosophen und Gedanken dar. In allen Kapiteln finden sich tiefgreifende Ideen und anregende Gedanken. (Amazon)

"Ein Buch, das einem in vielen Situationen hilfreich sein kann!" (Amazon)
_____________________________

"Leben lernen - ein Leben lang" Die praktische Philosophie Senecas für uns Heutige, Herder 2017,
Sonderpreis Hardcover: 12,- EUR

tl_files/bilder/Leben lernen_Titelcover.jpg

Leserstimmen:

"Dieses Buch ist ein wahrer Goldschatz und eine inspirierende, ermutigende Anleitung für die verschiedenen Herausforderungen des Lebens. Oder anders ausgedrückt ein Buch für die Ewigkeit, da es nie an Aktualität verlieren wird. Ein Muss für jedes Bücherregal." (Lovelybooks)
"Lektüre mit Tiefgang. Sehr lesenswert!"
(Lovelybooks)
"Hier wandelt der Autor meiner Meinung nach ganz in den Spuren der antiken, unsterblichen Philosophen. Und das ist ganz großes Kino."
(Lovelybooks)
______________________________

"Vom Glück des Wanderns. Eine philosophische Wegbegleitung" 2019, Tb: 12,- €

tl_files/bilder/Cover Front.jpg

Leserstimmen:

"Die richtige Lektüre für eine Auszeit." (Fokus)
"Die Lektüre empfiehlt sich, denn dieses Buch stellt im Rückgriff auf Originaltexte überraschende Querbezüge und Verbindungen her." (Der Bund)
"Nirgendwo habe ich antike Lebensweisheiten von Sokrates über Seneca bis zu fernöstlichen Philosophien aus China, Indien und Japan so kenntnisreich und  lebensnah vermittelt gefunden wie in diesem Wanderbuch." (Lovelybooks)
____________________

"Weisheit to go. Große Philosophie für kleine Pausen" 2019, Hardcover: 16,99 €

tl_files/bilder/Kitzler_Weisheit-togo_01.jpg

Leserstimmen:

"Dieses Buch ist ein wahrer kleiner Schatz! Das kleine Buch eignet sich perfekt, um es mitzunehmen, um es in der Bahn oder in Momenten der Ruhe rauszuholen und in eine andere Welt zu entfliehen." (Lesejury)
"Ein geniales, weil alltagstaugliches Buch für jedermann/-frau!" (Amazon)
"Ein schönes, handliches, weises Buch, das sich als kleines Geschenk, für sich oder Freunde, prima eignet." (Amazon)
_________________________

"Nur die Ruhe. Einfach gut leben mit Philosophie" 2021, Hardcover: 18,- €

tl_files/bilder/Kitzler_NurdieRuhe_10a.jpg

Leserstimmen:

"Ein großartiges Buch!" (Amazon)
"Denkanstöße für Philosophieaffine." (Amazon)

"Das beste Buch von Albert Kitzler." (Amazon)


Vielleicht ist etwas dabei für Sie oder für jemanden, dem Sie ein kleines Geschenk machen wollen.

Herzliche Grüße

Ihr

Albert Kitzler

23.11.2022
Mark Aurel #3

Du kannst dich von vielen unnötigen Dingen, die dich quälen, befreien; denn sie existieren bloß in deiner Einbildung.

Mark Aurel fährt fort:

„Und du wirst dir sicher ein weites Feld schaffen, wenn du den ganzen Kosmos mit deinem Geist umfasst und das Wesen der Ewigkeit bedenkst und über die rasche Wandlung der einzelnen Teile eines Dinges nachdenkst: wie kurz die Spanne Zeit vom Entstehen bis zum Vergehen eines Dinges, wie unermesslich die Zeit vor der Entstehung und wie grenzenlos die nach seinem Vergehen ist.“

Wer an die Weite des Kosmos und die Ewigkeit der Natur, wer „in Jahrhunderten“ denkt, wie sich Goethe einmal ausdrückte, dem kommen die meisten Probleme des täglichen Lebens klein und nichtig vor. Es ist sehr hilfreich, sich immer wieder der Vergänglichkeit von allem bewusst zu werden. Viele unserer Gedanken, die uns Angst, Sorgen oder Kummer bereiten, sind selbstgemacht. Die Wirklichkeit, auf die sie sich beziehen, erscheint ganz anders und kann ganz andere Gedanken und Gefühle auslösen, wenn wir die Perspektive wechseln. In dem Gebrauch unserer Vorstellungen liegt unsere Freiheit, das Wohlbefinden und der gute Fluss des Lebens, sagt der Stoiker Musonius Rufus, dessen Lehren Mark Aurel gut gekannt hat.

______________________________

22.11.2022
Mark Aurel #2

Die Seele soll sich nicht mit fortreißen lassen oder aus dem Gleise springen -, noch im Leben keine Zeit haben.

Wie viele Stoiker war Mark Aurel, von dem der Ausspruch stammt, ein Mann von großer Selbstbeherrschung. Wer sich selbst beherrscht und sich nicht von seinen Gefühlen und Leidenschaften aus seiner Mitte reißen lässt, der bleibt sich treu, in guten wie in schlechten Zeiten. Wer stets gesammelt bei sich bleibt, der führt in jedem Augenblick sein eigenes, freies, selbstbestimmtes Leben und wird nicht in einen Zustand leidvoller Entfremdung geraten. Er wird sich nicht mit dem Argument, keine Zeit zu haben, davon abhalten lassen, das zu tun, was er sich selbst schuldig ist.

______________________________

21.11.2022
Mark Aurel #1

Verachte nicht den Tod, sondern befreunde dich mit ihm, da auch er naturgewollt ist.

Die Worte stammen von dem römischen Philosophenkaiser und Stoiker Mark Aurel. Weiter heißt es:

„Denn ein Vorgang der Art wie Jungsein und Altwerden, Wachsen und Blühen oder wie das Hervorkommen der Zähne, des Bartes, der grauen Haare, das Zeugen, Schwangergehen und Gebären und die übrigen Auswirkungen der Natur, alles Dinge, die die Jahreszeiten deines Lebens mit sich bringen – solch ein Vorgang ist gerade auch die Auflösung. Daher ist es die Sache eines denkenden Menschen, sich gegen den Tod weder hartnäckig noch abstoßend und übermütig zu zeigen, sondern ihm als einer der Naturwirkungen entgegenzusehen.“

Ein Grundsatz der Stoiker war es, „naturgemäß zu leben“, d. h. auch, das Leben, die Welt und das Schicksal so anzunehmen, wie sie sind, und nicht, wie man sie sich wünscht. Um angstfrei zu leben, sei es aber wichtig, den Tod als einen natürlichen Teil des Lebens anzunehmen, dem niemand ausweichen kann. Mehr noch: Man solle sich mit ihm befreunden, denn er und die Vergänglichkeit aller weltlichen Dinge sind es, die Voraussetzungen für Freuden des Lebens sind. Nur weil die Dinge, Menschen und Verhältnisse vergänglich sind, können sie Freuden auslösen.

______________________________

20.11.2022
Freiheit #7

Unser Leiden entspringt hauptsächlich unserem Geist und unserer Anschauung der Welt.

Das schreibt Thich Nhat Hanh und fährt fort:

„In der buddhistischen Tradition sprechen wir von den zehn Fesseln, samyojana, die uns anketten und uns unserer Freiheit berauben. Das Sanskritwort samyojana kann auch als Knoten übersetzt werden, und diese Fesseln sind wie feste Knoten in uns.“

Thich Nhat Hanh benennt die 10 Fesseln mit folgenden Worten: Begierde, Wut, Unwissenheit, Komplexe (Überlegenheits-, Minderwertigkeits- und Gleichwertigkeitskomplex: Zwang uns zu vergleichen), Zweifel und Argwohn; die Vorstellung, ich bin dieser Körper und ein eigenständiges, abgetrenntes Selbst; Gegensatzpaare und der Glaube, sie stünden nicht in Beziehung zueinander; Anhaften an Vorstellungen; verdrehte Vorstellungen aufgrund falscher Wahrnehmung, falschem Denken usw.; Anhaften an Riten und Ritualen. Die Vorstellung, ich bin der Körper, bezieht sich auf die Anschauung der buddhistischen Philosophie, dass es in Wirklichkeit kein „Ich“ gebe und dass dies bloß eine Konstruktion unseres Verstandes sei. Was wir „Ich“ nennen, ist für Buddhisten lediglich ein fließender, ständig sich verändernder Bewusstseinsstrom. Auch das Denken in „Gegensatzpaaren“ (Dualismus) ist den Buddhisten fremd, für die alles miteinander verbunden ist.

______________________________

19.11.2022
Freiheit #6

Bei dem römischen Dichter Horaz lesen wir:

„Entreiß‘ dich endlich diesem schnöden Joch und rufe: ‚Frei, frei will ich sein!‘ Du kannst es nicht: denn die Begierde, der Tyrann in deiner Brust, hält dich in strenger Zucht; sie gibt dir, bist du schlapp, die scharfen Sporen und reißt dich jäh zurück, wenn du den eignen Weg zu gehen suchst.“

Es ist unser Wollen, das die Tendenz hat, uns zu „versklaven“, wenn es uns nicht gelingt, Herr über sie zu werden. Aber es ist sehr schwer, die Begierden der Vernunft und der besseren Einsicht zu unterstellen, „Herr im eigenen Haus“ zu werden und mit der festen Hand eines weisen Steuermanns sein Leben zu lenken. Schwach ist der Körper, stark der Geist. Manche Philosophen des Altertums hielten daher die Selbstbeherrschung für die wichtigste Tugend. Sokrates wies darauf hin, dass man auch den „Muskel der Selbstbeherrschung“ trainieren könne.

______________________________

18.11.2022
Freiheit #5

In der Freiheit von Zu- und Abneigungen liegt das Heil, denn sie birgt die ruhige Sicherheit des in sich gefestigten Herzens.

Zu dem 58. Doppelzeichen (Dui - Das Heitere, der See) im I Ging, dem ältesten Weisheitsbuch der Menschen, heißt es:

„Anfangs eine Neun bedeutet: Zufriedene Heiterkeit. Heil“

Der Übersetzer erläutert die Stelle wie folgt:

„Eine stille, wortlose, in sich gesammelte Freude, die nichts von außen begehrt und mit allem zufrieden ist, bleibt frei von allen egoistischen Zu- und Abneigungen. In dieser Freiheit liegt das Heil, denn sie birgt die ruhige Sicherheit des in sich gefestigten Herzens.“

Anfangs eine Neun“ bezeichnet einen Teil des Doppelzeichens, eine durchgezogene Linie (Yang). In vielen Weisheitstraditionen, etwa bei den Indern und in der Stoa, war man der Auffassung, dass man sein Glück und Wohlbefinden nicht von äußeren Umständen und Dingen abhängig machen sollte. Dies geschieht, indem man zu ihnen weder Zu- noch Abneigungen entwickelt, also alles Äußere für das eigene Glück für neutral ansieht, für weder gut noch schlecht. Das mutet befremdlich an, ist aber die Konsequenz aus dem Gedanken, dass man sein Glück nicht von äußeren, zufälligen Umständen abhängig machen, sondern in sich selbst finden sollte. Möglichst gelassen und emotionsfrei nimmt der Weise an, was geschieht, und macht das Beste daraus. Es kommt nicht darauf an, was im Außen geschieht, sondern auf die inneren Haltungen und Werte, mit denen wir das äußere Geschehen verarbeiten und was wir daraus machen. Eine solche Vorstellung scheint auch dem chinesischen Zeichen zugrunde zu liegen.

______________________________

17.11.2022
Web-Vortrag heute, 17.11.2022, 20 h: Liebe und Lebensfreude

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

ich darf an den heutigen Web-Vortrag im Internet anläßlich der "Langen Nacht der Philosophie" erinnern:

Vortrag "Liebe und Lebensfreude"

Eintritt frei.

Einwahldaten/Link finden Sie hier:

https://www.langenachtderphilosophie.ch/speakers/liebe-und-lebensfreude/

Herzliche Grüße

Ihr

Albert Kitzler

17.11.2022
Freiheit #4

Tut Gutes und seid gut. Das wird euch zur Freiheit und zur Wahrheit führen.

Vivekananda, einer der ersten Botschafter altindischen Denkens im Westen, sagte über Buddha:

„Buddha war der erste, der zu sagen wagte: ‚Glaubt nicht, weil euch einige alte Manuskripte erzählen, dass es so ist; glaubt nicht, weil es der Glaube unseres Volkes ist, weil man es euch von Kindheit an so gelehrt hat, sondern denkt selbst über alles nach, und wenn ihr es gründlich untersucht habt und der Meinung seid, dass es für euch und alle ein Segen ist, so glaubt daran, lebt danach und helft anderen danach zu leben.“
„Buddha ist der einzige Prophet, der sagte: ‚Ich will eure verschiedenen Theorien über Gott gar nicht hören. Was hilft es, all diese subtilen Doktrinen über die Seele zu diskutieren. Tut Gutes und seid gut. Das wird euch zur Freiheit und zur Wahrheit führen.‘“

Es kommt nicht darauf an, was man glaubt, sondern was man tut. Glauben aber sollte man nur, worüber man selbst gründlich nachgedacht und was man für richtig befunden hat. Konfuzius und Sokrates, zwei andere Gründer bedeutender Weisheitstraditionen, lehnten ungeprüfte Vorurteile ab. Hier stimmen sie, wie auch in vielem anderen, mit Buddha überein. Darin drückt sich die Freiheit und Unabhängigkeit des Denkens aus.

______________________________

16.11.2022
Freiheit #3

Wie eine Holzfigur bewegst du dich, die eine fremde Hand am Faden zieht.

Der römische Dichter Horaz hielt die meisten Menschen für unfrei, weil sie voller Ängsten sind, ihr Glück im Äußeren und nicht in sich selbst suchen, weil sie nicht die Kraft haben, die eigenen Begierden zu beherrschen, sondern von ihnen beherrscht werden:

„Du bist ja doch mein Herr und musst zu deinem Unglück wieder anderen dienen; wie eine Holzfigur bewegst du dich, die eine fremde Hand am Faden zieht. Wer ist denn also frei? Der Weise, der sich selbst beherrscht, den Armut, Kerker, Tod nicht schrecken kann, der auch die Kraft hat, den Begierden Trotz zu bieten und alle Ehren zu verachten, der in dem eigenen Ich Genüge findet, wie eine Kugel abgerundet und vollkommen, an deren glatter Fläche nichts von außen verhaftet bleibt, so dass das Schicksal machtlos ihn bestürmt. Kannst du in diesem Bild etwas erkennen, was dein eigen?“

______________________________

15.11.2022
Web-Vortrag am 17.11.2022, 20 h: Liebe und Lebensfreude - Erstes Seminar in 2023

Liebe Freunde/innen der Philosophie,

anlässlich der "Langen Nacht der Philosophie" in Zürich halte ich am kommenden Donnerstag, den 17.11.2022, 20 h, einen Vortrag über mein neues Buch "Die Weisheit der Liebe. Eine Philosophie der Lebensfreude", das im April 2023 erscheinen wird. Der Titel des Vortrags lautet "Liebe und Lebensfreude". Die Veranstaltung ist kostenfrei. Sie können sich über das Internet einloggen. Weitere Infos sowie der Link zur Veranstaltung finden Sie unter folgender Adresse:

https://www.langenachtderphilosophie.ch/speakers/liebe-und-lebensfreude/

________

Erstes Wochenendseminar 2023:

03.-05. Februar 2023, Seminarhof Hensellek/Baden

tl_files/bilder/Seminarhaus Hensellek_klein.jpg

Thema: "Sokrates und der Anfang der Philosophie"
Wie lebe ich ein gutes Leben? - Sokrates antwortet
Dauer:
Freitag, 18:00 h, bis Sonntag, 14:00 h
Leiter:
Albert Kitzler
Ort: Seminarhof Hensellek, Übelbach 16, D 77709 Wolfach
https://www.seminarhof-hensellek.de/www-seminarhof-hensellek-de/
Kosten: 2 Übernachtungen/Verpflegung/Seminargebühr: EZ 576,- €/ DZ: 538,- €
Anreise: hier (Abholung mit Seminarhof-PKW möglich)
Anmeldung: siehe Anhang

Ich würde mich freuen, wenn wir uns dort sehen und gemeinsam mit Sokrates über unser Leben philosophieren.

Herzliche Grüße

Euer

Albert Kitzler

15.11.2022
Freiheit #2

Innere Festigkeit und Freiheit bilden die Grundlage zum Glücklichsein.

Zuvor schreibt der vietnamesische buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh, von dem das Zitat stammt:

„Wenn Sie sich nicht mehr von der Zukunft oder Vergangenheit vereinnahmen lassen, ist jeder Ihrer Schritte fest und kräftig. Sie sind im Hier und Jetzt fest verankert.“

Wessen Denken und Fühlen voller Eindrücke aus der Vergangenheit oder voller Pläne, Projekte und Wünsche für die Zukunft ist, bei dem ist kein Raum mehr für das, was im Augenblick geschieht. Freiheit ist auch Weite und Leere im Raum des eigenen Denkens und Vorstellens. Nur wo Leere ist, da ist auch Platz „frei“ für Erlebnisse, neue Erfahrungen, für eine Begegnung oder ein Lernen. Das Ziel vieler Meditationstechniken ist es, eine solche Leere, Offenheit und Aufgeschlossenheit herzustellen. Bei Laotse heißt es:

Schaffe Leere bis zum Höchsten!
Wahre die Stille bis zum Völligsten!
Alle Dinge mögen sich dann zugleich erheben.
Ich schaue, wie sie sich wenden.
Die Dinge in all ihrer Menge,
ein jedes kehrt zurück zu seiner Wurzel.
Rückkehr zur Wurzel heißt Stille.
Stille heißt Wendung zum Schicksal.

______________________________

14.11.2022
Freiheit #1

Was uns unfrei macht, sind wir selbst.

In einer Lehrgeschichte aus alter Zeit heißt es: „Wie soll ich seelische Befreiung erlangen?“ fragt der Schüler eines Weisen. „Finde heraus, wer Dich festgehalten hat“, lautet die Antwort. Nach einer Woche kehrt der Fragesteller zurück und sagt: „Niemand hat mich festgehalten!“ „Warum möchtest Du dann befreit werden?“ Für den Schüler war dies der Augenblick der Erleuchtung.

______________________________

13.11.2022
Epikur #7

Man soll im Leben eben jene Regel beobachten, die bei den Symposien (Gastmählern) gilt: „Entweder trinken oder weggehen“.

Das klingt im ersten Moment ein bisschen schroff und hart. Aber was Epikur zum Ausdruck bringen wollte, ist wichtig und beherzigenswert: Über das Leben sollte man nicht klagen, sondern sich alle Mühe geben, gut und voller Freude zu leben, die Widrigkeiten des Lebens tapfer, duldsam und gelassen zu ertragen und sein Dasein in den Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen, und den Umständen, in die man hineingeboren wurde, zu genießen. Niemand wird zum Leben gezwungen. Es ist eine Aufforderung, den Mut nicht zu verlieren und zu philosophieren, denn für Epikur lehrt die Philosophie, „gut zu leben und gut zu sterben“, wie es bei den Stoikern hieß.

______________________________

12.11.2022
Epikur #6

Der Edle kümmert sich am meisten um Weisheit und Freundschaft.

Die Ethik und Weisheitslehre Epikurs geht von der für ihn unbezweifelbaren Tatsache aus, dass alle Lebewesen, so auch der Mensch, danach streben, Lust zu empfinden. Das griechische Wort für Lust ist „hedone“, woraus sich das Wort „hedonistisch“ ableitet. Man kommt der Lehre Epikurs näher und vermeidet Missverständnisse, wenn man das Wort „hedone“ mit „Freude“ übersetzt, was sich ebenfalls in den Wörterbüchern findet. Für Epikur lehrt Weisheit, wie man ein glückliches Leben mit möglichst viel Freude und wenig Leid führen kann. Es ist keine Lehre für Schlemmer, wie er sich einmal ausdrückte, sondern für Menschen, die besonnen, maßvoll, gerecht, gut und schön aus der Mitte einer ausgeglichenen Seelenruhe heraus ihr Leben gestalten und genießen. Den meisten Genuss ziehen die Menschen aber aus Freundschaften, d. h. aus gelingenden Resonanzbeziehungen, aus einem liebevollen, zugewandten, von gegenseitigem Verständnis getragenen zwischenmenschlichen Miteinander.

______________________________

11.11.2022
Epikur #5

Beim Philosophieren kommen Lernen und Genuss gleichzeitig.

Häufig laden wir uns Mühen auf, um am Ende etwas zu erhalten, worüber wir uns freuen. Bei der Philosophie, meint Epikur, sei es anders. Sie mache bereits bei der Ausübung Freude, dem Lernen. Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen zu verstehen, zu erkennen, sich Menschen, Dinge und die Welt soweit wie möglich erklären zu können. Erst ein stimmiges Weltbild gibt uns die Möglichkeit, uns darin einzufügen und uns wohlzufühlen. Wo dieses Weltbild dunkle Löcher hat, entstehen Beunruhigungen, Ängste und Orientierungsverlust. Philosophie lehrt, die Welt, die Mitmenschen und vor allem sich selbst besser zu verstehen. Je tiefer wir verstehen, umso besser können wir mit etwas umgehen und unser Leben darauf entsprechend unseren eigenen Vorstellungen einstellen. Sobald wir anfangen zu philosophieren, vertieft sich unser Verstehen in jedem Augenblick. In diesen Augenblicken des Verstehens aber erleben wir Freude.

______________________________

10.11.2022
Epikur #4

Man muss versuchen, den nächsten Tag immer besser zu machen als den vorangehenden, so lange wir auf dem Wege sind; sind wir aber an die Grenze gekommen, dann in gleichmäßiger Freude zu sein.

Epikur beschreibt die Arbeit an sich selbst und die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit mit dem Ziel, ein glückliches, freudvolles Leben zu führen. Man soll sich bemühen, jeden Tag etwas hinzuzulernen, sei es, dass man negative Affekte abbaut wie Angst, Sorgen, Gier, Neid, Ärger, Zorn, Unausgeglichenheit, Eifersucht, innere Unruhe und leidvollen Stress, sei es, dass man die Freude am Leben erhöht. Die „Grenze“ ist dann erreicht, wenn wir unsere Mitte gefunden haben, mit uns selbst im Reinen sind und keine größeren Baustellen mehr haben, die eine Quelle von Leid darstellen und unsere Freude am Leben eintrüben. Es ist nicht klar, wann Epikur die Grenze als erreicht ansah, denn er dürfte beobachtet haben, dass für die meisten Menschen der „Weg“ ein lebenslanger ist. Der „vollendete“ Weise, wie Seneca einmal bemerkte, erscheint wie der Vogel Phönix allenfalls einmal in fünfhundert Jahren.

______________________________

09.11.2022
Neuer Podcast - Philosophie für Kinder/Jugendliche - Thich Nhat Hanh-Seminar

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

ab heute ist in unserem Philosophie-Podcast „Der Pudel und der Kern“ eine weitere Folge #29 zu hören. Thema ist dieses Mal "Neid". Unter Neid leiden wir doppelt, sagt der griechische Tragiker Aischylos. Einmal deshalb, weil wir etwas nicht haben, was wir unbedingt haben wollen; ferner deshalb, dass wir es dem, der es hat, missgönnen.

tl_files/bilder/Neid.png

„Wer nach Fremden hinschielt, dem gefällt das Seinige nicht.“ (Seneca)

Den kostenfreien Podcast und die wichtigsten Informationen dazu findet Ihr auf der Website: www.pudel-kern.com

Ferner auf diversen Plattformen, u.a.:

https://open.spotify.com/episode/64swLGW3yY6KNeunPG2tX0

https://podcasts.apple.com/us/podcast/29-neid-warum-uns-das-ungute-gef%C3%BChl-bef%C3%A4llt-und-wie/id1591918638?i=1000585578924

Wenn Euch der Podcast gefällt, empfehlt ihn bitte weiter. Über Anmerkungen und Rückfrage freuen wir uns.

Viel Freude damit!
___________

Philosophie für Kinder und Jugendliche

Am Sonntag, den 13. November 2022, gibt es wieder zwei Webseminare für unsere Kinder: "Philosophie für Jugendliche" (09:30-10:45 Uhr) und "Philosophie für Kinder" (11:00-12:15 Uhr).

Thema für beide Gruppen ist dieses Mal "Aufrichtigkeit". Im Umgang mit anderen Menschen, mit den Eltern und vor allem mit sich selbst gibt es kaum etwas, das wichtiger ist als Aufrichtigkeit. Warum ist das so? Was bedeutet Aufrichtigkeit? Warum ist man manchmal nicht aufrichtig? Darüber wollen wir reden. Kurze Texte dazu und die Zugangsdaten sende ich zwei Tage vor der Veranstaltung zu.

Sonntag, den 13. November 2022, 09:30-10:45 Uhr

„Philosophie für Jugendliche“ - Altersgruppe von 14 bis 18 Jahre

Technische Voraussetzungen: Computer, Tablet oder Smartphone sowie einen Internetzugang
Seminarbeitrag pro Teilnehmer: 10,- €
Maximale Teilnehmerzahl: 20
Anmeldung: E-Mail an massundmitte@gmx.de

 

Sonntag, den 13. November 2022, 11:00-12:15 Uhr

„Philosophie für Kinder“ - Altersgruppe von 8 bis 12 Jahre

Technische Voraussetzungen: Computer, Tablet oder Smartphone sowie einen Internetzugang
Seminarbeitrag pro Kind:
10,- €
Maximale Teilnehmerzahl
: 20
Anmeldung: E-Mail an massundmitte@gmx.de

Kinder im Alter von 13 Jahren können wahlweise bei der Gruppe "Kinder" oder "Jugendliche" angemeldet werden. Die Teilnahmegebühr ist unter Angabe des Namens des/der Teilnehmers/erin auf folgendes Konto einzuzahlen:

MASS UND MITTE
Münchner Bank eG
IBAN: DE58 7019 0000 0002 5719 35
BIC: GENODEF1M01

Ich freue mich über eine rege Beteiligung.
____

Nächstes Wochenendseminar (es sind noch Plätze frei):

18.-20. November 2022, Haus der Weisheit, Reit im Winkl

Thema:
"Thich Nhat Hanh" - Buddhistische Lebensweisheit
Dauer: Freitag, 18:00 h bis Sonntag, 14:00 h
Leiter: Albert Kitzler
Ort: Haus der Weisheit, Unterbichler Str. 24, 83242 Reit im Winkl
Seminargebühr: 350 €
Unterkunftsempfehlungen: siehe Anmeldeformular
Anmeldung: Formular im Anhang

Mit herzlichen Grüße

Euer

Albert Kitzler

09.11.2022
Epikur #3

Epikur sagt, dass man alles nur bei der richtigen Gelegenheit und zur richtigen Zeit unternehmen dürfe. Aber wenn der lange erwartete Augenblick gekommen ist, dann muss man den Sprung tun.

Alles hat seine Zeit, und es ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Die Griechen nannten den richtigen Zeitpunkt Kairos und machten wegen seiner wichtigen Bedeutung einen Gott aus ihm. Manchmal müssen wir zuwarten und viel Geduld aufbringen. Dann aber kommt der Augenblick, in dem wir mit Entschlossenheit, Mut und Kraft eine Sache angehen müssen, soll sie gelingen. Schließlich gibt es Dinge, bei denen Beharrlichkeit gefordert ist und die wir so lange konsequent fortsetzen müssen, bis wir ans Ziel gekommen sind. Wann das eine oder andere der Fall ist, ist auf Grund einer guten Kenntnis der Welt, der Lebensgesetze und der eigenen Persönlichkeit zu entscheiden. Dabei stets ins Schwarze zu treffen, ist Lebenskunst.

______________________________

08.11.2022
Epikur #2

Wenn du Pythokles reich machen willst, dann gib ihm nicht Geld dazu, sondern nimm von seinen Begierden weg.

Wer Pythokles war, ist nicht bekannt. Zum Verständnis von Epikurs Aussage ist dies bedeutungslos. Für jeden Menschen gilt, dass er „reicher“ wird, je weniger Begierden er hat und je selbstgenügsamer er lebt. Ethiker wie Epikur bemessen den Reichtum eines Menschen nach seinen inneren Werten und der Unabhängigkeit seines Wohlbefindens von äußeren Gütern. Wer sich an dem erfreut, was er besitzt und was er aus sich gemacht hat und daran sein Genügen findet, der ist reich, weil ihm an nichts mangelt. Dagegen führt das immer-mehr-haben-Wollen (Pleonexie) häufig zu Unzufriedenheit und zu dem leidvollen Gefühl, es fehle einem etwas zu seinem Glück.

______________________________

07.11.2022
Epikur #1

Mühselig ist es, das Leben immer zu beginnen.

Mit diesen Worten legt uns Epikur nahe, dass wir ständig lernen, d. h. innerlich wachsen und reifen sollten. Dazu ist es notwendig, die gemachten Erfahrungen auszuwerten und das daraus Gelernte zu verinnerlichen und zu einem Teil unserer selbst zu machen. Nur so können wir verhindern, dieselben Fehler zu wiederholen und das Leben immer wieder neu zu beginnen. Dazu zählt auch, aus den Erfahrungen anderer Menschen und Generationen zu lernen, Philosophen, Weise und Heilige zu studieren, die tief gedacht und vieles erkannt haben. So können wir das überlieferte Wissen für die eigene Lebensführung nutzbar machen. All das dient dazu, sich das Leben zu erleichtern, seinen Widrigkeiten standzuhalten, dem Leiden aus dem Weg zu gehen und die Lebensfreude zu erhöhen.

____________

06.11.2022
Vergänglichkeit #7

Alles, was ich tue, tue ich hundertprozentig. Ich genieße es vollständig, weil ich weiß, dass ich bald sterben werde.

Der Ausspruch stammt von Sri Sri Ravi Shankar. Zuvor heißt es noch:

„Früher gingen Menschen zum Meditieren auf den Friedhof. Die Vorstellung, selbst einmal dort zu liegen, bringt Gleichmut. Sich daran zu erinnern, dass sich der Körper in Staub verwandeln wird, macht glücklich, nicht traurig.“

Das Bewusstsein der Vergänglichkeit steigert die Genussfähigkeit und die Freude am Leben. Der Tod ist ein großer Gleichmacher. Er relativiert alles. Unsere Pläne, Wünsche und Ziele haben für den, der um seine Vergänglichkeit weiß, nicht mehr die alles überragende Wichtigkeit und Priorität. Diese kommt vielmehr der reinen Lebendigkeit und der Freude daran zu. Mit heiterer Gelassenheit blickt man in die Zukunft und erwartet ruhig und gesammelt, was diese bringt. Dass der Gedanke an den Tod einen Yogi sogar „glücklich“ macht, folgt aus der indischen Auffassung, dass unser irdisches Leben lediglich eine illusorische Vorstellung ist, die Leiden hervorruft. Diese Vorstellung entspricht nicht unserem wahren Sein. Dieses aber wird durch den Tod nicht zerstört.

____________

05.11.2022
Vergänglichkeit #6

Nun bin ich an den Wechsel gewöhnt, ja er wird mir Bedürfnis.

Der Satz findet sich in dem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ von Goethe. Es steckt gewiss vieles von Goethes eigener Anschauung darin. Im Kontext heißt es:

„Wir machen viel zu viel vorarbeitenden Aufwand aufs Leben. Anstatt dass wir gleich anfingen, uns in einem mäßigen Zustand behaglich zu finden, so gehen wir immer mehr ins Bereite, um uns es unbequemer zu machen. Wir richten uns immer häuslich ein, um wieder auszuziehen, und wenn wir es nicht mit Willen und Willkür tun, so wirken Verhältnisse, Leidenschaften, Zufälle, Notwendigkeit und was nicht alles … Nun glaubte ich auf dem rechten Wege zu sein, da ich mich immerfort als einen Reisenden betrachte, der vielem entsagt, um vieles zu genießen. Nun bin ich an den Wechsel gewöhnt, ja er wird mir Bedürfnis … und wenn mir das Haus über dem Kopf zu brennen anfängt, so packen meine Leute gelassen ein und auf und wir fahren zu Hofraum und Stadt hinaus.“

Obgleich Goethe stets viel gearbeitet hat, zahlreiche Projekte gleichzeitig anging und in vielen menschlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen verstrickt war, zog es ihn immer wieder zum einfachen und genügsamen Leben, zur Ungebundenheit und Freiheit. Das Zitat bringt zum Ausdruck, dass er diese Tendenz dadurch zu befördern suchte, dass er sich die Vergänglichkeit von allem akzeptierte und sein Leben als eine Reise betrachtete.

____________

04.11.2022
Vergänglichkeit #5

Bleibe nur Dir selbst treu.

Das ist die Quintessenz aus folgendem Dialog zwischen Theseus und Ödipus über die Vergänglichkeit und den ständigen Wandel der Dinge aus der Tragödie „Ödipus auf Kolonos“ von Sophokles:

„Theseus:
… klar ist mir bewusst:
Ich bin ein Mensch! und was das Morgen bringen wird,
Steht um nichts mehr in meiner als in deiner Macht.

Ödipus (zu Theseus):
O liebster Sohn des Aigeus, einzig und allein
Die Götter kennen nicht das Alter, nicht den Tod.
Was sonst lebt, überwältigt die allmächt’ge Zeit.
Des Bodens wie des Leibes Kräfte werden schlaff,
Es stirbt die Treue, dafür keimt der Treubuch auf,
Und weder zwischen Freunden weht der gleiche Wind
Für immer, noch ist zwischen Staaten drauf Verlaß.
Denn früher oder später wird die Herzlichkeit
Zum bittren Hass und schließlich mildert sich auch der.
… Mein Beschützer, bleibe nur
Dir selbst treu …“

Hier klingt an, was die Inschrift „Erkenne Dich selbst!“ in der Vorhalle des Apollontempels in Delphi den Gläubigen mit auf den Weg geben wollte: Meide die Hybris und vergiss nie, dass Du ein Mensch bist, begrenzt, mit Schwächen behaftet und der Vergänglichkeit unterworfen. Lerne, alles loslassen zu können, und halte Dich daran, in all dem Wandel authentisch und wahrhaftig zu bleiben. Konfuzius wurde einmal gefragt, was der Kern seiner Lehre sei. Er antwortete: „Treue gegen sich selbst und Güte gegen andere.

____________

03.11.2022
Philosophie für Kinder und Jugendliche am Sonntag, den 13. November 2022

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

am Sonntag, den 13. November 2022, gibt es wieder zwei Webseminare für unsere Kinder, "Philosophie für Jugendliche" (09:30-10:45 Uhr) und "Philosophie für Kinder" (11:00-12:15 Uhr). Anhand von kurzen Sinnsprüchen (z.B. "Erkenne Dich selbst!"), die 2 Tage vor der Veranstaltung zugesandt werden, sollen die Kinder/Jugendlichen zum Nachdenken über Grundfragen des gelingenden Lebens angeregt werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Thema für beide Gruppen ist dieses Mal "Aufrichtigkeit". Im Umgang mit anderen Menschen, mit den Eltern und vor allem mit sich selbst gibt es kaum etwas, das wichtiger ist als Aufrichtigkeit. Warum ist das so? Was bedeutet Aufrichtigkeit? Warum ist man manchmal nicht aufrichtig? Darüber wollen wir reden. Kurze Texte dazu sende ich zwei Tage vor der Veranstaltung zu.

Beteiligt an der Veranstaltung ist die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e. V., Regionalverband Sachsen:

Sonntag, den 13. November 2022, 09:30 -10:45 Uhr

„Philosophie für Jugendliche“ - Altersgruppe von 14 bis 18 Jahre

Technische Voraussetzungen: Computer, Tablet oder Smartphone sowie einen Internetzugang
Seminarbeitrag pro Teilnehmer: 10,- €
Maximale Teilnehmerzahl: 20
Anmeldung: E-Mail an massundmitte@gmx.de

_________________

Sonntag, den 13. November 2022, 11-12:15 Uhr

„Philosophie für Kinder“ - Altersgruppe von 8 bis 12 Jahre

Technische Voraussetzungen: Computer, Tablet oder Smartphone sowie einen Internetzugang
Seminarbeitrag pro Kind:
10,- €
Maximale Teilnehmerzahl
: 20
Anmeldung: E-Mail an massundmitte@gmx.de

Kinder im Alter von 13 Jahren können wahlweise bei der Gruppe "Kinder" oder "Jugendliche" angemeldet werden. Die Teilnahmegebühr ist unter Angabe des Namens des/der Teilnehmers/erin auf folgendes Konto einzuzahlen:

MASS UND MITTE
Münchner Bank eG
IBAN: DE58 7019 0000 0002 5719 35
BIC: GENODEF1M01

Ich freue mich über eine rege Beteiligung.

Herzliche Grüße

Albert Kitzler

03.11.2022
Vergänglichkeit #4

Der Tod ist ein Freund des Lebens.

Dies sagt Sri Sri Ravi Shankar und ergänzt kurz darauf:

„Dein Anfang ist dasselbe wie dein Ende. Das Leben ist ein Kreislauf. Tod bringt Geburt und Geburt führt zum Tod. Tod sollte gefeiert werden, nicht betrauert.“

Er sollte gefeiert werden, weil er die Ursache unserer Freuden ist. Wären die Dinge, die Erlebnisse, die Verhältnisse, die Momente des Lebens nicht vergänglich, wären sie alsbald fad und langweilig und könnten keine Freude hervorrufen. Weil alles vorübergeht, deshalb freuen wir uns über das, was da ist und sich erfüllt. Der Tod als Inbegriff der Vergänglichkeit löst im konkreten Fall zwar Trauer aus, die menschlich und zur inneren Verarbeitung notwendig ist. Als Prinzip und Teil unseres Lebens aber ist der Tod unverzichtbar. Wer dies begriffen und tief verinnerlicht hat, verliert die Angst vor dem Tod und damit zugleich zahlreiche, wenn nicht alle anderen Ängste. Er vermag es, seine Trauer in einer angemessenen Zeit zu überwinden.

____________

02.11.2022
Vergänglichkeit #3

Alles Vorhandene ist gewissermaßen der Samen dessen, was aus ihm werden soll.

Bei dem Philosophenkaiser Mark Aurel lesen wir:

„Betrachte unaufhörlich, wie alles Werdende kraft einer Umwandlung entsteht, und gewöhne dich so an den Gedanken, dass die Allnatur nichts so sehr liebt, wie das Vorhandene umzuwandeln, um daraus Neues von ähnlicher Art zu schaffen; denn alles Vorhandene ist gewissermaßen der Samen dessen, was aus ihm werden soll.“

Es ist sehr hilfreich, sich stets der Vergänglichkeit bewusst zu sein. So arbeiten wir dem Anhaften an etwas oder jemanden entgegen und können ohne zu leiden loslassen, wenn wir etwas verlieren. Um dieses präsente Bewusstsein der Vergänglichkeit zu erlangen, empfiehlt Mark Aurel, sich an den Gedanken zu „gewöhnen“, dass alles sich wandelt. Gewohnheit, Verinnerlichung, Einverleibung stellen im Gehirn eine synaptische Verbindung her zwischen dem auslösenden Reiz, d. h. der Wahrnehmung eines Verlustes, und dem Gedanken „alles wandelt sich“. Der Effekt stellt sich auf der Gefühlsebene ein: Wir trauern weniger dem Verlorenen nach und können den Verlust ohne größeren Schmerz annehmen.

____________

01.11.2022
Vergänglichkeit #2

Stirb jeden Augenblick und du wirst jeden Augenblick geboren.

Der indische spirituelle Lehrer und Friedensbotschafter Sri Sri Ravi Shankar schreibt:

„Was heißt Tod? Die Vergangenheit loslassen. Stirb jeden Augenblick und du wirst jeden Augenblick geboren. Alle Identitäten der Vergangenheit loslassen, die Vergangenheit als einen Traum sehen, das ist Tod. … Und du erkennst, dass sich alles in diesem Universum verändert, alles stirbt.“

Eine weit verbreitete Auffassung der altindischen Philosophie geht davon aus, dass das „Ich“ und die „Welt“ nur eine Illusion seien, ein Trugbild („Maya“). Der Mensch sei nur ein unendlicher Bewusstseinsstrom, der sich ständig wandelt und in jedem Augenblick einen neuen Zustand erreicht. Auf dem Grunde dieses Bewusstseinsstroms werde dem „Erwachten“ klar, dass es keine Identitäten gibt, dass alles miteinander verbunden ist, dass alles eins und das Eine alles ist. Diesen Zustand könne man nicht begreifen, sondern nur erleben. Auch demjenigen, der diese Auffassung nicht teilt, kann das tiefe Gefühl der Verbundenheit von allem und des ewigen Wandels der Gestalten eine Vorstellung von der Allgegenwart der Vergänglichkeit vermitteln, die, wenn sie tief genug verinnerlicht ist, ihm das Loslassen lehrt und die Angst vor dem Tod nimmt.

____________

31.10.2022
Vergänglichkeit #1

Das Leben währet kurze Frist, doch ist sie süß.

Die Worte stammen aus der Tragödie Alkestis des Euripides. Später lässt er den Herakles folgende Verse aussprechen:

„Sieh, allen Menschen ist der Tod beschieden, und
Es gibt auf Erden keinen, welcher sicher weiß,
Ob auch der nächste Tag ihn noch am Leben trifft.
Des Glückes Laune ist ungewiss, wohin sie führt,
Nimmt keine Lehre an, keine Regelung durch Geschick.
(Andere Übersetzung: Und nicht erlernbar, keine Kunst enthüllt es uns.)

Nun, wenn du dies vernommen und begriffen hast,
So lebe lustig, trinke; nur der heutige Tag
Gehört dir eigen, alles andere nur dem Glück.“

Glück“ meint das ungewisse Schicksal (lat. fortuna). Für ein gelingendes Leben ist es unabdingbar, dass man die Allgegenwart und Unausweichlichkeit der Vergänglichkeit, vor allem den eigenen Tod, als einen natürlichen Bestandteil des Lebens begreift und verinnerlicht. Das lehrt den gegenwärtigen Augenblick zu schätzen und zu genießen, das Hier und Jetzt, das, was an Schönem und Gutem da ist und einen umgibt. Wem das gelingt, dem wird das Leben zu einem Fest der Freude.

____________

30.10.2022
Aus Goethes Briefen - Tagesseminar im Web

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

zu den Weisheiten aus Goethes Briefen findet am kommenden Samstag, den 05. November 2022, ein Tagesseminar im Web statt, zu dem ich Sie herzlich einlade. Die Briefe Goethes - rd. 16.000 sind erhalten - sind eine unerschöpfliche Quelle der Lebensweisheit. Philosophische Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.

Webseminar: Die Lebensweisheit Goethes - aus seinen Briefen

Samstag, den 05.11.2022, 09:30-18:00 Uhr
Zeit: 09:30-11:00 h, 11:30-13:00 h, 15:00-16:15 h, 16:45-18:00 h
Kosten: 129,- €
Texte und Zugangsdaten (Zoom) werden drei Tage vorher zugesandt
Technische Voraussetzungen: Computer, Handy oder iPad und eine Internetverbindung
Anmeldung per E-Mail: massundmitte@gmx.de

Ich freue mich, Sie dort begrüßen zu dürfen und mit Ihnen zu philosophieren.

Herzliche Grüße

Ihr

Albert Kitzler

30.10.2022
Aus Goethes Briefen #7

Sei der Wagenlenker deiner inneren Kräfte.

Die Griechen versuchten sich bildlich vorzustellen, wie man mit seinen vielen inneren Kräften umgehen sollte, die nicht selten gegenläufige Begierden und Ziele verfolgen. Sie hatten erkannt, dass die meisten seelischen Leiden auf einen Streit, eine Unausgewogenheit oder auf ungelöste Konflikte dieser inneren Kräfte zurückgeführt werden können. Platon meinte, die Seele sei ein „vielköpfiges Ungeheuer, von dem jeder Kopf die Tendenz habe, die anderen zu unterdrücken und die Alleinherrschaft zu übernehmen“. Wie ein guter Wagenlenker die wilden Pferde, die den Wagen ziehen, so beherrschen müsse, dass sie seinen Befehlen gehorchen und im harmonischen Tritt den Wagen in die gewünschte Richtung ziehen, so solle der Mensch seine Seelenkräfte zu einem friedlichen und harmonischen Ganzen vereinen. Er solle nicht als Getriebener, sondern als innerlich freier Steuermann sein Leben eigenverantwortlich bestimmen. Auf der inneren Ausgeglichenheit und dem Seelenfrieden beruhe sein Glück und Wohlbefinden. In einem Brief an Herder drückt der junge Goethe in Anlehnung an den griechischen Dichter Pindar dies so aus:

„Wenn du kühn im Wagen stehst und vier neue Pferde wild unordentlich sich an deinen Zügeln bäumen, du ihre Kraft lenkst, den austretenden herbei-, den aufbäumenden hinabpeitschest, und jagst und lenkst und wendest, peitschest, hältst und wieder ausjagst, bis alle sechzehn Füße in einem Tackt ans Ziel tragen – das ist Meisterschaft.“

____________

29.10.2022
Aus Goethes Briefen #6

Denke als Philosoph, und so mußt du denken, wenn du in der Welt glücklich sein willst.

Das schreibt der 17-jährige Goethe. Er studierte bereits sehr früh die griechischen Philosophen und hatte sein Leben lang ihre Einsichten und Weisheiten zur Hand, um sich und die Welt zu verstehen und eine feste Orientierung für sein Denken und Handeln zu haben. Als ihm zum Beispiel im hohen Alter der Tod seines Sohnes mitgeteilt wurde, unterbrach er den Überbringer der Botschaft, indem er mit Tränen in den Augen die Worte des griechischen Philosophen Anaxagoras zitierte: „Ich wusste, dass ich einen Sterblichen gezeugt hatte.“ Goethe war überzeugt davon, dass es keinen besseren Ratgeber gibt, die Widrigkeiten und Herausforderungen des Lebens zu meistern und es glücklich und erfüllt zu bestehen, als die Weisheiten der alten Griechen. Die Bezugnahmen in seinem Gesamtwerk auf die griechisch-römische Antike füllen gut 1200 eng bedruckte Seiten. Kein Name irgendeines bedeutenden Denkers, Dichters oder Wissenschaftlers aus dieser Zeit fehlt hier.

____________

28.10.2022
Aus Goethes Briefen #5

Wir wollen indessen in Demut und Bescheidenheit dem Fernern entgegengehen, was uns die Unerforschlichen zubereitet haben mögen.

Der 74-jährigen Goethe empfiehlt uns in diesem Satz aus einem seiner Briefe, dass wir uns zurückhalten sollten mit unseren Wünschen, Plänen und Absichten, um offen zu sein für alles, was die Zukunft an Unvorhersehbaren bringt. „Die Unerforschlichen“ ist ein Bild für das ungewisse und launenhafte Schicksal. Wer sich an das hält, was da ist, gelassen erwartet, was kommt, und zuversichtlich ist, dass er daraus etwas für sich gewinnen wird, den wird das Leben nicht enttäuschen. Was es auch bringen mag, er wird seine Mitte wahren und das Beste daraus machen.

____________

27.10.2022
Aus Goethes Briefen #4

Armer Mensch, an dem der Kopf alles ist!

In einem Brief an Herder, bei dem er Altgriechisch lernte und tief in die Kultur, Kunst und Weisheit des antiken Griechenlands eingeführt wurde, schreibt der 23-jährige Goethe:

„Seit ich die Kraft der Worte stethos und prapides (griechisch: Brust und Zwergfell) fühle, ist in mir selbst eine neue Welt aufgegangen. Armer Mensch, an dem der Kopf alles ist! Ich wohne jetzt in Pindar ...“

Der Philologe Otto Regenbogen kommentiert diese Stelle mit folgenden Worten: „Hier schließt sich im Erinnern Homerisches und Pindarisches ineinander zu einem Leib-Seele-Gesamtbild, der ungebrochenen Einheit des archaischen Menschen. ... die stürmende Brust als Sitz des leidenschaftlichen Fühlens und das Zwerchfell, die Stätte des besonnenen Scharfsinns. Dies alles dicht beieinander, dies alles als eins setzt Goethe dem Menschen der bloßen Vernunft entgegen.“

Pindar war ein bedeutender griechischer Dichter, der etwa 300 Jahre nach Homer lebte. Die alten Griechen glaubten, dass die Vernunft im Zwergfell ihren Sitz habe. Das Großartige an Goethe war neben dem Umstand, dass er in einem außergewöhnlichen Maß mit Gefühl und Verstand ausgestattet war, sondern dass sich diese beide Kräfte in seinem Leben wie in seinem Schreiben die Waage hielten und sich gegenseitig nährten und steigerten. Besonders in seinen Altersgedichten vereinigen sich zarteste Poesie mit tiefster Weisheit.

____________

26.10.2022
Neuer Podcast u.a.

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

ab heute ist in unserem Philosophie-Podcast „Der Pudel und der Kern“ eine weitere Folge #28 zu hören. Thema ist dieses Mal "Veränderung". Wir unterhalten uns mit dem ehemaligen Bayernprofi Christian Lell. Er hat in seinem Leben viele Höhen und Tiefen erlebt und hat aus schwierigsten Verhältnisse kommend sich selbst und seinen Weg gefunden. Dabei hat ihm nicht zuletzt die Philosophie geholfen.

tl_files/bilder/Veraenderung.png

"Werde, der Du bist, aufgrund der Erfahrung, die Du gemacht hast." Pindar

Den kostenfreien Podcast und die wichtigsten Informationen dazu findet Ihr auf der Website: www.pudel-kern.com

Ferner auf diversen Plattformen, u.a.:

https://podcasts.apple.com/us/podcast/09-gelassenheit-der-weg-zu-innerer-ruhe-und-souver%C3%A4nit%C3%A4t/id1591918638?i=1000549735544

https://open.spotify.com/episode/7FTAyYIRRHx14lhjyjQlNp

https://pudelkern.podigee.io/9-gelassenheit

Wenn Euch der Podcast gefällt, empfehlt ihn bitte weiter. Über Anmerkungen und Rückfrage freuen wir uns.

Viel Freude damit!
________

Für Kurzentschlossene:

5-TAGESSEMINAR "Yoga und Philosophie" mit anschließendem Workshop

Es sind noch zwei Plätze frei:

Vom 07.11. bis 12.11.2022 veranstaltet Mayana-Yoga gemeinsam mit MASS UND MITTE an der Mecklenburgischen Seenplatte einen 5-tägigen Kurs "Yoga und Philosophie", bei dem wir Theorie und Praxis des Yoga verbinden wollen. Daneben bleibt Zeit für Spaziergänge, Wellness und Erholung. Das Seminar ist geeignet für Anfänger und Fortgeschrittene. Veranstaltungsort ist das wunderschön gelegene Hotel Bornmühle in Groß Nemerow am Tollensesee. Weitere Informationen finden Sie im Anhang sowie ausführlich auf https://www.yogareisen-mv.de/denken-heilt.

07.-12. November 2022, Hotel Bornmühle am Tollensesee/Mecklenburgische Seenplatte

Thema: Yoga und Philosophie
Dauer:
Montag, den 07.11., 18:00 Uhr, bis Samstag, den 12.11.2022, 11:00 Uhr
Leitung:
Steffi Haese und Albert Kitzler
Ort: Hotel Bornmühle, Bornmühle 35, 17094 Groß Nemerow
Seminargebühr: 499,- €
Unterkunft und Verpflegung: Je nach Zimmerkategorie pro Person zwischen 690,- € und 970,- €
Anreise: Shuttle ab Neustrelitz oder Neubrandenburg möglich
Weitere Informationen: https://www.yogareisen-mv.de/denken-heilt
Anmeldung: mail@mayana-yoga.de oder Tel. +49 (0) 177 6005920

tl_files/bilder/foto-toll-see-sonne.jpg

Unabhängig von dem Seminar findet am Samstag, den 12. November 2022, in der Zeit von 16:00 bis 19:30 Uhr im Hotel Bornmühle ein kleiner Workshop zum Thema "Denken heilt! Philosophie für ein gesundes Leben" statt. Wir lesen Ausschnitte aus meinem gleichnamigen Buch und diskutieren darüber. Danach gibt es optional ein gemeinsames Abendessen im Hotel. Weitere Informationen und Anmeldung dazu:

https://www.bornmuehle.de/events/bornmuehle

Wir würden uns freuen, Sie dort begrüßen zu dürfen.

Herzliche Grüße

Euer

Albert Kitzler

26.10.2022
Aus Goethes Briefen #3

Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst ... wenn wir nach innen das Unsrige getan haben, so wird sich das nach außen von selbst geben.

Goethe schreibt an seinen Freund J.H. Meyer, der gerade Rom besucht:

„Wenden Sie die nötige Zeit auf und denken Sie immer: dass wir nur eigentlich für uns selbst arbeiten. Kann das jemand in der Folge gefallen oder dienen, so ist es auch gut. Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst und so lassen Sie auch Ihren Aufenthalt in Rom Ihren Zweck sein. In diesem Sinne bereite ich mich auch vor, und wenn wir nach innen das Unsrige getan haben, so wird sich das nach außen von selbst geben.“

Der erste und letzte Satz erinnern an eine Äußerung des Sokrates. Kurz vor seinem Tod fragten ihn seine Schüler, was er ihnen als letzte Weisheit mit auf den Weg geben wolle. Nichts Besonderes, antwortete dieser, lediglich das, was ich euch immer gesagt habe: Kümmert euch um eure Seele, dass sie schön und gut werde. Etwas Besseres könnt ihr weder für euch selbst noch für die Gemeinschaft tun. Goethe sah den Sinn des Lebens („Zweck des Lebens“) und die Bestimmung des Menschen darin, die in ihm vorhandenen Anlagen zu bilden und zu entwickeln und auf diesem Weg in die Welt hinein zu wirken. Einen hinter diesem praktischen Lebensvollzug liegenden religiösen oder metaphysischen Lebenssinn konnte er nicht erkennen.

____________

25.10.2022
Aus Goethes Briefen #2

Wer auf sich selbst achtet und sich wertschätzt, wird sich bemühen, seine negativen Affekte und Defizite kontinuierlich abzubauen oder zu mildern.

In einem Brief an den schottischen Schriftsteller, Historiker und Philosophen Thomas Carlyle schreibt Goethe:

Ein wohlwollender, auf sich selbst merkender Charakter, der sich selbst zu ehren, mit sich selbst in Frieden zu leben wünschte und doch so manche Unvollkommenheit, die sein Inneres verwirrt, empfinden muß, manchen Fehler zu bedauern hat, der die Person nach außen kompromittiert, wodurch er sich denn nach beiden Seiten hin beunruhigt und bestritten findet, wird sich von diesen Beschwernissen auf alle Weise zu befreien suchen.“

Die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, die volle Entfaltung ihrer Potentiale und der Abbau ihrer Defizite, war für Goethe außerordentlich wichtig. Wenn ihn etwas an ihm selbst störte, arbeitete er so lange an sich, bis er die Schwäche überwunden hatte. Dafür sei es wichtig, so Goethe, auf sich selbst zu achten und mit sich selbst so wohlwollend und respektvoll umzugehen wie mit einem geliebten Menschen. Dies war ihm die „Ehrfurcht“ vor sich selbst. Sie sei die „oberste“ Ehrfurcht und entspringe einer dreifachen Ehrfurcht, die vor dem, was über uns ist, vor dem, was auf gleicher Ebene ist, und vor dem, was unter uns ist.

____________

24.10.2022
Aus Goethes Briefen #1

Zu meinen liebsten Gefühlen gehört die Dankbarkeit. Insbesondere sind wir den alten Schriftstellern Dank schuldig für den Wert der Charakterbildung, den sie uns vermittelten.

In einem Brief an den Sohn des berühmten Homer-Übersetzers Johann Heinrich Voss Schreibt Goethe:

„Da zu meinen liebsten Gefühlen die Dankbarkeit gehört, die ich gern hege, pflege und mich an ihr ergötze; so kommt mir oft genug vor die Seele, was wir ihrem Vater und ihnen schuldig sind. Je mehr man durchdrungen ist von dem Wert der Bildung, die wir den alten Schriftsteller verdanken, desto mehr lernt man nach und nach einsehen, dass sein ganzes Leben dazugehört, sie recht zu verstehen und also gründlich zu nutzen. Vergebens, dass man sich einbildet, nebenbei zu so wichtiger Einsicht gelangen zu können. Wie hoch haben wir daher den Übersetzer als Vermittler zu verehren, der uns jene Schätze herüber in unsere tägliche Umgebung bringt, wo wir vor ihnen nicht als fremden seltsamen Ausgeburten erstaunen, sondern sie als Hausmannskost benutzen und genießen.“

Mit den „alten Schriftstellern“ meint er insbesondere die Autoren der griechisch-römischen Antike. Goethe hat sie zeitlebens intensiv studiert und zog den größten Teil seiner Persönlichkeitsbildung aus ihren Weisheiten und Einsichten. Um sie richtig zu verstehen, braucht es eine kontinuierliche Beschäftigung mit ihnen und viel eigene Lebenserfahrung, mit denen wir ihre Lehren abgleichen, um sie zu einem Teil unserer selbst zu machen. Dann wirken sie bis tief in unseren Alltag hinein („tägliche Umgebung“) und sind uns von größtem praktischen Nutzen. Die Dankbarkeit, die Goethe zu seinen „liebsten Gefühlen“ zählt, ist für ein gelingendes Leben von größter Bedeutung. Sie macht den Alltag zu einer Quelle der Freude. Sie entspringt der Achtsamkeit, die dem Vorhandenen seine Selbstverständlichkeit nimmt und sich seines Wertes bewusst wird.

____________

- ARCHIV -