Worte der Weisheit

- PHILOSOPHIE TO GO -

DIE TÄGLICHEN
“WORTE DER WEISHEIT”

Jeden Morgen verschickt Albert die “Worte der Weisheit” zu einem wöchentlich wechselndem Thema. Dabei interpretiert er jeweils ein philosophisches Zitat.
27.05.2024:
Musik

Es gibt eine Musik ohne Töne; das ist die Freude.

Es ist erstaunlich, welche Bedeutung Konfuzius, von dem dieser Ausspruch stammt, der Musik für ein gelingendes Leben beilegte. Sie habe eine tragende Funktion bei der Erziehung und Ausformung des menschlichen Charakters und der Ordnung jeder menschlichen Gemeinschaft. Das Zitat besagt, dass derjenige, der seine Seelenkräfte harmonisch ausgeglichen hat und im Einklang mit sich selbst ist, Freude erlebt. Man könnte auch sagen: Lebensfreude und Glück entspringen einer Symphonie unserer Seelenkräfte. Umgekehrt leidet derjenige, der nicht das Leben lebt, das er leben möchte. Der Übersetzer der Stelle merkt an, dass das chinesische Zeichen für Musik und Freude dasselbe ist.

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Die "Worte der Weisheit" erscheinen seit über dreizehn Jahren jeden Morgen.

26.05.2024:
Kant

Kinder … müssen früh zum freimütigen, ungezwungenen Lächeln gewöhnt werden.

Und Kant fährt fort:

„Denn die Erheiterung der Gesichtszüge hierbei drückt sich nach und nach auch im Innern ab und begründet eine Disposition zur Fröhlichkeit, Freundlichkeit und Geselligkeit, welche diese Annäherung zur Tugend des Wohlwollens frühzeitig vorbereitet.“

Vielleicht ist eines der wichtigsten Dinge, die Eltern ihren Kindern mitgeben können, eine natürliche Fröhlichkeit, Heiterkeit und ein herzliches Lachen, in dem Lebensfreude und eine gute Seelenverfassung zum Ausdruck kommen. Nach Kant besteht eine Wechselwirkung zwischen der äußeren Heiterkeit und einer Haltung des Wohlwollens gegenüber anderen Menschen. Achte auf dein Verhalten, heißt es in einer alten Weisheit, denn es wird zu deinem Charakter.  

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Die "Worte der Weisheit" erscheinen seit über dreizehn Jahren jeden Morgen.

25.05.2024:
Kant

In der Einheit des Charakters besteht die Vollkommenheit des Menschen.

Eine wichtige Feststellung Kants, die für das gelingende Leben der Menschen eine große Rolle spielt. Es ist ihnen aber selten bewusst. Die meiste Unzufriedenheit mit ihrem Leben erwächst den Menschen daraus, dass sie mit sich selbst nicht übereinstimmen, dass sie nicht das Leben führen, das sie führen wollen, dass sich Denken, Wollen, Handeln und Fühlen nicht decken. In der Lebensführung gibt es Widersprüche, ungelöste Konflikte, Zwiespalte, nicht assimilierte Fremdanteile, unbewusste Einflüsse und Manipulationen von außen auf Denken, Wollen oder Handeln, die man eigentlich gar nicht will und die einem nicht guttun. Zenon von Kition, der Begründer der Stoa, hat die Forderung aufgestellt, der Mensch solle „einstimmig“ leben. Vielleicht dachte er dabei an Sokrates, der etwa einhundert Jahre zuvor sagte, sich selbst betrügen ist von allem das Schlimmste, und von dem es hieß, er blieb sich immer gleich. Noch früher fasste Konfuzius die wichtigsten Prinzipien seiner Lehre in der kurzen Formel zusammen: Treue gegen sich selbst und Güte gegen andere.

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24.05.2024:
Kant

Gute Erziehung ist gerade das, woraus alles Gute in der Welt entspringt.

Obgleich Kant weder verheiratet war noch Kinder hatte, wusste er um die große Bedeutung, die der Erziehung für ein gelingendes Zusammenleben zukommt. Unabhängig von der Frage, inwieweit der Charakter eines Menschen bereits vorgeprägt ist, wenn er auf die Welt kommt, sind die Eindrücke, Erfahrungen und Prägungen, die er in der frühkindlichen Phase und der darauf folgenden Sozialisation macht, von entscheidender Bedeutung für seine spätere Persönlichkeit. Alles Gute wird dort gepflanzt, für alle Fehlentwicklungen wird dort die Wurzel gelegt. Konfuzius sagte, am Anfang seien alle Menschen gleich, dann aber entwickelten sie sich in ganz unterschiedliche Weise aufgrund der Erziehung und der Gewohnheiten.

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23.05.2024:
Kant

Tue das, wodurch du würdig wirst, glücklich zu sein.

Kant ist der Auffassung, dass man das Lebensglück, nach dem sich jeder Mensch sehnt, nicht im direkten Zugriff erlangen kann. Es ist die Folge von dem, was wir denken, wollen und tun. Das Glück wird am ehestens zu denen kommen: die ihren Seelenhaushalt aufgeräumt haben; die „gute“, philosophisch begründete Haltungen verinnerlicht haben und danach handeln; die nachhaltige Werte anstreben, die einem selbst und anderen guttun; die für andere leben, ohne sich selbst dabei aufzugeben.

Hinweis: Das gestern angekündigte Seminar in der Schweiz endet nicht am Montag, sondern am Sonntag um 12:30 Uhr. Ich bitte, das Versehen zu entschuldigen.

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22.05.2024:
Neuer Podcast "Interview mit Lukas Klaschinski" - Wochenendseminar in der Schweiz

Liebe Freunde/innen der Weisheit,

in unserem Philosophie-Podcast „Der Pudel und der Kern“ ist eine neue Folge #101 zu hören. Wir führen ein Interview mit dem Psychologen, Autor und Podcaster Lukas Klaschinski über sein Buch "Fühl Dich ganz".

 



„Das Glück wohnt nicht im Besitz und nicht im Gold, das Glücksgefühl ist in der Seele zu Hause.“
Demokrit

Den kostenfreien Podcast und die wichtigsten Informationen dazu finden Sie auf der Website: www.pudel-kern.com

Ferner auf allen Plattformen, auf denen es Podcasts gibt, u.a.:

https://linktr.ee/pudelkern

https://podcasts.apple.com/us/podcast/101-f%C3%BChlen-interview-mit-dem-psychologen-autor-und/id1591918638?i=1000656324441

https://open.spotify.com/episode/4lcJdDxrxmvvau9EDj8ApC

Wenn Ihnen der Podcast gefällt, empfehlen Sie ihn bitte weiter. Über Anmerkungen und Rückfragen freuen wir uns.
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Wochenendseminar im Lasalle-Haus, Bad Schönbrunn, Schweiz

04.-06. Oktober 2024

Thema: "Aristoteles: Das gute Leben"
Dauer: Freitag, 18:00 h, bis Montag, 12:30 h
Seminarort: Lasalle-Haus, Bad Schönbrunn, Schweiz
Kosten: Unterkunft/Verpfl./Seminargebühr: 697,- €
Zum Seminarhaus: www.lassalle-haus.org
Anmeldung: E-Mail an massundmitte@gmx.de oder Anmeldeformulare im Anhang

Wie bei allen Veranstaltungen kann die Seminargebühr für Interessenten mit geringem Einkommen im Einzelfall reduziert oder erlassen werden.

Herzliche Grüße

Albert Kitzler

22.05.2024:
Kant

Es ist Pflicht, nicht die Stellen, wo sich Arme befinden, denen das Notwendigste abgeht, zu umgehen, …

Kant, von dem das Zitat stammt, fährt fort:

„sondern sie aufzusuchen, nicht die Krankenstuben oder die Gefängnisse der Schuldner und dergleichen zu fliehen, um dem schmerzhaften Mitgefühl, dessen man sich nicht erwehren könne, auszuweichen.“

Eine erstaunliche Äußerung, die Kants tiefes Gefühl für Mitmenschlichkeit zeigt. Auch hier ist der Einfluss der stoischen Philosophie auf Kant fassbar, heißt es doch bei Seneca, jeder sei aufgerufen, denen eine helfende Hand zu reichen, die ihrer bedürfen. Kant fordert uns auf, die Augen vor dem Elend in der Welt nicht zu verschließen, und auch das „schmerzhafte Mitgefühl“, das sich dabei einstellt, nicht zu unterdrücken, denn aus diesem Gefühl entspringt das Bedürfnis zu helfen.

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21.05.2024:
Kant

Die größte Gefahr für Menschen in ihrem Verkehr untereinander ist die, anderen Unrecht zu tun.

Kant, von dem das Zitat stammt, fährt ganz im Sinne antiker Weisheitslehre fort:

Unrecht zu leiden, ist hiergegen für nichts zu achten, und es zu dulden, ist oft gar verdienstlich, wenn man hoffen darf, daß eine solche Toleranz den Mutwillen, zu beleidigen, nicht noch verstärkt.“

Die moralische Integrität zu verlieren, war für Kant wesentlich schlimmer, als eine Einbuße an Besitz zu erleiden oder die Herabsetzung der eigenen Person, die stets damit verbunden ist, dass einem Unrecht geschieht. Bei letzterem dürfte er an Seneca gedacht haben, der in persönlichen Herabsetzungen nur eine Verletzung der Selbstliebe sah, die demjenigen nicht widerfahre, der einen „großen Charakter“ habe, d. h. der sein Selbstwertgefühl aus sich selbst schöpft und nicht von der Wertschätzung anderer abhängig macht. Das Dulden hielt Kant auch deshalb für besser, weil es die geschehene Aggression nicht noch verstärkt. Wer Streit oder eine Eskalation vermeiden möchte, der lässt das Kriegsbeil liegen, das der Aggressor einem vor die Füße wirft. Zum Streiten gehören immer zwei.

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20.05.2024:
Kant

Wer seine Begierde zu befriedigen weiß, ist klug, wer sie zu beherrschen weiß, ist weise.

Die Begierden zu befriedigen ist leicht, wenn man die materiellen Mittel dazu hat. Der Kluge findet sie schnell. Auf ihre Befriedigung zu verzichten aber ist schwer, auch wenn man weiß, dass dies besser für einen ist. Wie für alle Weisheitslehren der Antike war auch für Kant Weisheit vor allem die Kunst, den wilden Haufen innerer Begierden und Triebe so zu lenken und zu leiten, dass stets das rechte Maß bewahrt wird. Ein griechischer Philosoph hielt daher die Selbstbeherrschung für die größte Tugend. Sokrates wies darauf hin, dass, wie man seine Muskeln trainiert, so könne man auch die Selbstbeherrschung trainieren.

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19.05.2024:
Lebe jetzt!

Unser Streben muss darauf gerichtet sein, genug gelebt zu haben.

So der römische Philosoph Seneca. Er fährt fort:

Dieses Glaubens ist niemand, der gerade erst jetzt zu leben beginnt. Glaube nicht, dass deren nur wenige seien: es sind nahezu alle. Manche fangen erst dann damit an, wenn sie aufhören mussten. Wenn dir das wunderlich vorkommt, so will ich noch etwas Wunderlicheres hinzufügen: manche haben zu leben schon aufgehört, ehe sie anfingen.

Seneca will sagen, dass wir alles Wichtige sogleich angehen sollten, damit wir, wenn unser Ende naht, sagen können, dass wir unsere innersten Bedürfnisse, Anlagen und Talente gelebt haben oder doch so weit vorangetrieben haben, wie es uns möglich war. Der letzte Satz weist auf Menschen hin, die sich nie um die Weiterentwicklung ihrer Persönlichkeit und um das, was ihnen Erfüllung und Selbstverwirklichung hätte sein können, gekümmert haben.

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18.05.2024:
Lebe jetzt!

Einige rüsten sich ihr ganzes Leben hindurch zum Leben …

… und bemerken nicht, dass uns allen das tödliche Gift der Geburt beigeschüttet worden ist.

Das Zitat stammt von dem griechischen Philosophen Epikur. Mit dem „tödlichen Gift der Geburt“ ist die Sterblichkeit gemeint, der Tod. Angesichts unserer Vergänglichkeit, haben wir keine Zeit zu verlieren, mit dem guten und glücklichen Leben zu beginnen. Vielleicht kannte Mark Aurel das Zitat, der fünfhundert Jahre später schrieb:

Treib es nicht, als wenn du tausend Jahre zu leben hättest! Dein Schicksal hängt schon über dir. Solange du lebst, solange du noch die Möglichkeit hast, werde gut!

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17.05.2024:
Lebe jetzt!

Wer die Geschäfte vertagt, wird immer mit Ungemach ringen.

Die Worte stammen von dem griechischen Dichter Hesiod (um 700 v. Chr.), der ein bedeutendes und einflussreiches Lehrgedicht mit zahlreichen Spruchweisheiten geschaffen hat, von denen sich manche bis heute im Volksmund erhalten haben. Ein berühmtes Beispiel ist der Ausspruch „Ohne Schweiß, kein Preis“ (bei Hesiod heißt es: „Vor den Lohn haben die Götter den Schweiß gesetzt“). Das Zitat, aus dem die einleitende Zeile entnommen ist, lautet vollständig:

Schiebe auch nichts hinaus auf übermorgen und morgen …
Wer die Geschäfte vertagt, wird immer mit Ungemach ringen.“

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16.05.2024:
Lebe jetzt!

Wie du gelebt haben möchtest, wenn du tot wärst, so kannst du schon heute leben.

Der Ausspruch stammt von dem Philosophenkaiser Mark Aurel. Eine einfache Formel, um die Zeit, die einem zugemessen ist, für die wirklich wichtigen Dinge zu nutzen. Um welche Dinge es sich handelt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wichtig ist nur, dass man Mark Aurel beherzigt, über die aufgeworfene Frage nachdenkt, Entscheidungen trifft und danach lebt, jetzt, bewusst und jeden Tag aufs Neue. So gibt man seinem Leben ein Fundament und einen Sinn. Der Neurologe und Psychiater Victor E. Frankl war der Meinung, dass viele seelische Belastungen und Krankheiten daher rühren, dass ein Mensch den Sinn seines Tuns nicht erkennt oder aus den Augen verliert.

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15.05.2024:
Lebe jetzt!

Es gibt Leute, die leben nicht ihr gegenwärtiges Leben.

Das Zitat stammt von dem griechischen Philosophen Antiphon und lautet vollständig:

Es gibt Leute, die leben nicht ihr gegenwärtiges Leben, sondern sind mit großem Eifer geschäftig, als ob sie noch ein zweites Leben zu leben hätten, nicht aber das gegenwärtige; und unterdessen vergeht die Zeit, die ihnen noch bleibt.“

Gemeint sind hier Menschen, die durch ein Übermaß an Geschäftigkeit vergessen, die Früchte ihrer Bemühungen bewusst und mit Freude im Hier und Jetzt zu genießen. Sie leben, arbeiten, planen stets auf ein Morgen hin, sind in Gedanken in zukünftigen Projekten befangen und bemerken nicht, dass sie die Freude, die sie auf morgen verschieben, schon heute haben könnten. Ihr Leben geht mit Aufschieben dahin.

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14.05.2024:
Lebe jetzt!

Es gibt keinen besseren Moment, mit einer weisen Lebensführung zu beginnen, als jetzt.

Das ist der Sinn des folgenden Ausspruchs, der von dem Philosophenkaiser Mark Aurel stammt:

Wie deutlich drängt sich mir die Erkenntnis auf, dass es keine Lebenslage gibt, die zum Philosophieren so geeignet wäre als die, in der ich mich befinde!

Philosophieren ist bei Mark Aurel vorwiegend praktisch gedacht und bedeutet wie bei Sokrates, das Selbst zu erforschen, sich selbst zu leben, die wertvollen Lebensziele zu erkennen und nach der besten Einsicht zu handeln, mit anderen Worten: nach Weisheit zu streben und entsprechend zu denken, zu wollen und zu handeln. Das hinauszuschieben hieße, das Leben hinauszuschieben. Denn nur wer philosophisch lebt und nach Weisheit strebt, lebt sein Leben.

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13.05.2024:
Lebe jetzt!

Das Leben geht mit Aufschieben dahin.

Das Zitat stammt von dem griechischen Philosophen Epikur und lautet vollständig:

Du aber bist nicht Herr des morgigen Tages und verschiebst immerzu das Erfreuende. Das Leben geht mit Aufschieben dahin, und jeder von uns stirbt, ohne Muße gefunden zu haben.

Im Weisheitsdenken der Antike finden wir immer wieder die Aufforderung, das Wichtige im Leben nicht hinauszuschieben, sondern sogleich damit anzufangen. Das bedeutet auch, mehr im Hier und Jetzt zu leben, präsent zu sein, sich nicht übermäßig von Gedanken an die Zukunft oder die Vergangenheit ablenken zu lassen von dem, was im gegenwärtigen Augenblick geschieht. Epikur plädiert damit für eine Aufwertung der Muße, der Ruhe, der Zeit für sich selbst und andere und für außerberufliche Tätigkeiten. Von diesen kostbaren Zeiten opfern wir häufig zu viel unserer beruflichen Karriere, der sozialen Stellung und der Anhäufung von Besitz und Vermögen.

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